Entwicklungszusammenarbeit in Nigeria

Das überdurchschnittliche wirtschaftliche Wachstum der letzten 10 Jahre in vielen Ländern Subsahara Afrikas wurde nur am Rande wahrgenommen, da es durch anhaltend starkes Bevölkerungswachstum größtenteils aufgezehrt wurde. Bis zum Ende des Jahrhunderts wird die Bevölkerung Afrikas weiter stark wachsen – von heute gut einer auf dann rund vier Milliarden Menschen. Hinzu kommt, dass von Fortschritten zunächst nur eine heranwachsende, kleine, urbane Mittelschicht profitiert. Vernachlässigt bleiben die ärmsten der Armen im ländlichen Raum mit ihren hohen Geburtenraten (als quasi-Altersversorgung), einem niedrigen Bildungsstand und schlechter Gesundheitsversorgung.

Es ist somit unerlässlich, dass genügend Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum geschaffen werden, damit die junge, dynamische und durchaus unternehmerisch agierende Bevölkerung Chancen erhält und diese nutzen kann. Insbesondere müssen im eigenen Land Agrarwertschöpfungsketten auf- und ausgebaut werden. So werden zahlreiche, nachhaltige Arbeitsplätze geschaffen, beispielsweise für Kleinbauern, in der industriellen Verarbeitung und Produktion, bei der Lagerung und Transportlogistik sowie im Groß- und Einzelhandel.

Wir alle sehen tagtäglich Bilder in den Medien, die uns vor Augen führen, welchen Migrationsdruck insbesondere junge Männer aus Subsahara Afrika spüren müssen, wenn sie sich auf die teils lebensgefährliche “Reise“ durch die Sahara und Nordafrika nach Europa begeben.  In Europa angekommen, wird ihnen klar, dass ihre wirtschaftlichen Perspektiven auch hier aus vielerlei Gründen kaum Erfolg versprechen und ihnen häufig Deportation in ihre Heimat-Länder droht.

Wie wir wissen, sucht im Idealfall eine motivierte, gut qualifizierte, junge Bevölkerung kaum ihr Glück fern der Heimat;  im Gegenteil:  sie sieht vor Ort  Potential für Wirtschaftswachstum und Wohlstand. Soweit richtig eingesetzt, dienen öffentliche und private Entwicklungsbeiträge, auch diejenigen von AFOS, also nicht nur

  • der Umsetzung christlicher Solidarität, sondern auch
  • dem Schutz der Armen und Ärmsten vor Migrationsdruck und gewaltsamen Konflikten

Die Mittel müssen allerdings dort eingesetzt werden, wo korrupte Machteliten keinen Zugriff haben, wo sie durch förderliche staatliche Rahmenbedingungen Ziel gerichtet eingesetzt werden und wo sie mit lokaler unternehmerischer Initiative dem Wohl gerade der ärmeren ländlichen Bevölkerung dienen können. Die Zielgruppe der „Working Poor“ entlang der Agrarwertschöpfungsketten verspricht hier die größte nachhaltige Dividende, letztlich auch für die Gebergemeinschaft.

 

Bei unseren laufenden und geplanten AFOS Projekten konzentrieren wir uns deshalb auf

  • die „Working Poor“ – insbesondere unter den Jugendlichen im ländlichen Raum
  • die großen Länder und Wirtschaftsräume Afrikas
  • unser Netzwerk von starken Mikrofinanzpartnern vor Ort
  • professionelles, ethisch handelndes Management unserer Partnerorganisationen und
  • den Kosten sparenden Einsatz moderner Kommunikationstechnologien

 

Die größte entwicklungspolitische Hebelwirkung sehen wir als unternehmerische und christlich geprägte Stiftung im Zusammenspiel von

  • Ernährungssicherung durch Ausbau der Landwirtschaft entlang der Wertschöpfungsketten
  • berufliche Aus- und Fortbildung mit Schaffung nachhaltiger Perspektiven für die Jugend und
  • bezahlbare Finanzdienstleistungen für alle (Kredite, Ersparnisbildung, Versicherungen, Altersvorsorge)
Bernhard Vester, Langzeitexperte der AFOS Stiftung für Nigeria, Afrika
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