Entwicklungszusammenarbeit auf den Philippinen

Kammerstrukturen stärken – Unternehmertum fördern

In den Philippinen ist die AFOS-Stiftung 2009 eine Partnerschaft mit der Cebu Chamber of Commerce and Industrie (CCCI) eingegangen. Gemeinsam fördern sie Kleinunternehmer und den entstehenden Mittelstand. Dies geschieht in drei Bereichen:

  • Stärkung der Selbstorganisation der In CT 05Unternehmer in Kammern und Verbänden
  • Unterstützung der Kammern und Verbände bei der Beratung ihrer Mitglieder hinsichtlich Produktentwicklung, Marketing und Qualitätssicherung
  • Qualifizierung der Unternehmer und ihrer Mitarbeiter durch berufliche Bildung

In der Cebu Chamber (CCCI) sind über 700 Unternehmen aus Cebu City und der gleichnamigen Provinz organisiert. Dank deutscher Unterstützung seit Ende der 1980er Jahre ist die Kammer hochprofessionell organisiert und erbringt für ihre Mitglieder wichtige Dienstleistungen.

Mit Unterstützung der AFOS-Stiftung will sie ihre Erfahrungen und ihr Know-how an die kleineren und noch im Aufbau befindlichen Kammern und Verbände auf den umliegenden Visayas-Inseln und im Norden der Insel Mindanao weitergeben. Dabei gibt es fünf Hauptziele:

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  • das Kammer- und Verbandsmanagement zu professionalisieren
  • die Mitgliederbasis zu verbreitern
  • die Finanzen nachhaltig abzusichern
  • nachfrageorientierte Dienstleistungen für die Mitglieder zu entwickeln und
  • die politische Interessenvertretung zu stärken

Die AFOS-Stiftung greift bei ihren Aktivitäten auf die fachliche Expertise der Mitglieder des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) und dessen Netzwerk zurück. Heute sind zwei so genannte Langzeitexperten und lokale AFOS-Mitarbeiter für die operative Ausführung der Projekte vor Ort zuständig. Über die Entwicklungsorganisation der deutschen Wirtschaft, sequa, finanziert das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) den Großteil der Aktivitäten innerhalb der Partnerschaft.

 

Dienstleistungen der Kammern und Verbände professionalisieren

Bei der Beratung und Qualifizierung der Kammern und Verbände zur Professionalisierung und Erweiterung ihrer Dienstleistungen konzentriert sich die Zusammenarbeit von AFOS und CCCI auf drei Schwerpunktsektoren (sector units):tourism05

  • Lebensmittelwirtschaft
  • Tourismus
  • Möbel / Inneneinrichtung

In den vergangenen sechs Jahren konnten auf diesem Gebiet erhebliche Fortschritte erzielt werden. Die Beratungen und Dienstleistungen haben vielen Mitgliedsunternehmen geholfen, die Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen zu verbessern, ihre Geschäftstätigkeit zu erweitern und zusätzliche Absatzmärkte zu erschließen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor war dabei die Zusammenarbeit der Unternehmen in den jeweiligen Sektoren (sector units) sowie zwischen den verschiedenen Kammern und Verbänden und die entsprechende Bildung von Netzwerken, in denen sie auch neue Kunden- und Lieferbeziehungen geknüpft haben.
Auf Grund der positiven Ergebnisse konnten die Kammern und Verbände in den vergangenen Jahren für ihre Dienstleistungen auch öffentliche Mittel lokaler Regierungsstellen einwerben oder als Dienstleister für diese tätig werden. In einigen Provinzen haben die Behörden die Kammern mit der Registrierung der Unternehmen beauftragt.
Diese Aktivitäten haben nicht nur die finanzielle Basis der Kammern auf solide Füße gestellt, sondern auch ihre Stellung gegenüber den staatlichen Behörden gestärkt. Es ist gelungen, die Kammern und Verbände im Sinne des Subsidiaritätsprinzips als Institutionen der ‚verfassten Wirtschaft‘ zu etablieren. Sie wachsen somit in eine neue Rolle hinein.
Eine für die Philippinen neue Rolle wollen die CCCI und ihre Schwesterkammern und –verbände auch im Bereich der beruflichen Bildung übernehmen.

Die aktuellen Projekte der AFOS-Stiftung auf den Philippinen erhöhen die Qualität der beruflichen Bildung, unterstützen den Wiederaufbau nach dem Taifun Yolanda und helfen bei der Durchsetzung der Bildungsreform.

 

Berufliche Bildung im Fokus

Um die Qualität der Produkte und Dienstleistungen der einzelnen Unternehmen zu verbessern, sind Beratungsdienstleistungen und andere Unterstützungen richtig und wichtig, aber sie reichen nicht aus. Die Qualifizierungsdefizite der Unternehmer und ihrer Mitarbeiter lassen sich nur durch eine systematische Herangehensweise nachhaltig beheben. Sehr schnell bestand daher zwischen der AFOS-Stiftung und den philippinischen Partnern Einigkeit, die deutschen Erfahrungen aus der dualen beruflichen Bildung für die weitere Entwicklung vor Ort zu nutzen.

Im Jahr 2011 haben die AFOS-Stiftung und die Cebu Chamber of Commerce and Industrie (CCCI) ihre Zusammenarbeit mit zwei der kleineren Kammern und Verbänden intensiviert und ausgeweitet. Dazu zählen die Kooperation mit der Negros Oriental Chamber of Commerce and Industry (NOCCI) in Dumaguete (Ost-Negros) und die Association of Negros Producer (ANP) in Bacolod (West-Negros). Im Lebensmittelsektor starteten sie auf den IDSC08651nseln Cebu und Negros ein Pilotprojekt der „nachholenden“ beruflichen Bildung. Ausgehend von der Erkenntnis, dass ohne die Unternehmer selbst eine ‚echte‘ duale Ausbildung mit dem Unternehmen als primärem Lernort nicht möglich ist, werden diese also zunächst selbst qualifiziert und fortgebildet.

 

OURFood: Qualifizierung im Lebensmittelsektor

Die Wahl der Lebensmittelwirtschaft als OURFood2Pilotsektor spiegelt die Entwicklungsnotwendigkeiten- und potentiale wider. Die Philippinen sind Nettoimporteur von Lebensmitteln. Die Landwirtschaft und die weiter-verarbeitende Lebensmittelwirtschaft haben eine niedrige Produktivität und erfüllen die gängigen Standards der Lebensmittelsicherheit und –qualität nicht.
Ziel des Pilotprojektes ist es, durch berufliche Bildung entlang der drei Stufen der Wertschöpfungskette in der Lebensmittelwirtschaft (Produktion, Verarbeitung, Handel) die Qualität der OURFood10Produkte zu erhöhen und die Beteiligten zur Produktion entsprechend der geltenden Qualitätsstandards zu befähigen.
Am OURFood-Projekt sind die Kooperationspartner (CCCI, ANP und NOCCI) mit einer Vielzahl von einschlägigen Trainings und Seminaren sowie mit Beratung, Marketing und Promotion beteiligt. Die Kleinbauern, die mit ANP kooperieren, sind die ersten in den Philippinen, die GAP zertifiziert wurden (Good Agricultural Practices). Die Bauernverbände in Negros Oriental und Cebu Province werden voraussichtlich im Laufe des Jahres 2016 folgen. Im Sinne einer nachholenden beruflichen Bildung werden von den Kammern für den Lebensmittelsektor seit 2013 Kurse in bestimmten Berufsfeldern (z.B. Bäckereihandwerk, Metzgerei, Lebensmitteltechnik) angeboten.OURFood7 Darüber hinaus gehören Serviceleistungen und Trainingsseminare im Bereich GMP (Good Manfacturing Practices) oder HACCP (Hazard Analysis Critical Control Points) zum Portfolio der Kammern.

 

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